Presse
Presse
Ruhrpott-Kabarett bietet gelungenen Abend
Neuenkirchen. Angekündigt wurde er wie Henry Maske vor dem Kampf gegen Virgil Hill: „Hier kommt Ääääärich Koschorreeeeek!“ Und dann trat er auf, mit fettigen strähnigen Haaren, fülligem Bauchumfang und blauem Schalke-T-Shirt.
Aber eine Business-Idee hat er: Nach dem Prinzip „Kunde wirbt Kunde“ könnte er doch andere Zeitgenossen überzeugen, auch Hartz-IVer zu werden. Er sieht sich schon als erfolgreicher Außenmitarbeiter der Arbeitsagentur.
Aber Elmar Rasch alias Ärrich (Erich Koschorrek) und Anja Günther als Gundula schaffen es, mit Ruhrpott-Sprache und ganz viel Wortwitz, die Lachmuskeln einen Abend lang zu strapazieren. Sie schaffen den Spagat, dass der Zuschauer über die so tragischen Existenzen lauthals lachen kann und trotzdem ihre ganze Sympathie gewinnt. „Ärrich un’ Gundula wie du und ich“, ein gelungener Abend.
VON STEFAN KÖSTERS
Zwischen Komödie und Sozialkabarett WAZ 30. Juni 2009
Elmar Rasch begeistert mit zweiter Produktion
Ein Tisch, ein Gartenstuhl, eine Mülltonne und ein paar zerknüllte Bierdosen – fertig ist der Hinterhof. Mehr braucht Schauspieler und Autor Elmar Rasch auch nicht, um als Erich Koschorrek das Publikum zum Lachen zu bringen. In der Rolle des ewig nörgelnden Ruhrpottoriginals brachte Rasch bereits die zweite Produktion im Revierpark Nienhausen auf die Bühne: „Erich – allein Zuhaus“ (Regie: Michael Walter) hatte am Wochenende Premiere.
Seine Gundula ist nicht da, deshalb hat Erich sturmfreie Bude: Die Gelegenheit, mal in aller Ruhr vom Leder zu ziehen und sein Leid zu klagen. „Da steht man nichtsahnend morgens um zwölf auf, weil man zum Klo muss, da hat die Gundula alles mit Blumen und Duftkerzen voll gestellt“, regt sich der Schmalspurmacho auf. Die Höhe: „Dann hängt da noch ein Plakat, dass Mann hier im Sitzen pinkeln soll!“
Aber nicht nur mit der Gattin, sondern auch mit der Agentur für Arbeit hat man so seine liebe Not. „Ich habe denen mal das Modell Koschorrek vorgeschlagen: Einen Monat lang Hartz IV kostenlos testen und dann für Fünf-Sterne-Gold-Paket mit unbegrenztem Mehrbedarf und einmal monatlich einem gemütlichen Beisammensein mit dem persönlichen Berater.“ Wenn Erich über Hartz IV und die Methoden der Agentur schwadroniert, verschwimmen die Grenzen zwischen Komödie und Sozialkabarett: Die verschärfen ja jetzt ihre Hausbesuche. Irgendwann bringen die noch einen Chemielaboranten mit, der die Stuhlproben überprüft, ob der Hartz IV-Empfänger auch ja nichts gegessen hat, was er sich nicht leisten kann.“ Doch eigentlich müsse man sich über diese Kontrollvisiten freuen: „Die Agentur pflegt als Einzige noch dieses alte Kulturgut der Ehemaligen DDR.“
Zu Hochform läuft Elmar Rasch nach der Pause auf, wenn er unter vollem Stimm- und Körpereinsatz seine Erlebnisse mit megacoolen Jugendlichen und nervigen „Ömmaken“ im Supermarkt erzählt.
Hier bleibt kein Auge trocken. Sto
|
Letze Kritiken
- Katoffel und Äppel
Eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen. E... weiterlesen...
12.07.10 11:08
Von Michael Dettmer


