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Verstehen
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Jezz meinte die Gundula heute Mittach, dat se ma widder Katoffelsalat machen wollte. Ich sach: „Jau, lekker!“ Da sachtse, dat dat aber nur mitte frische Katoffeln von Maakt geht. Ich sach: Jau, dann hol ma welche!“ Und jezz kam se ersma raus mitte Sprache, dat ich die holen soll. Fümf Fund!
Ich sach: „Gundula“, sach ich, „ Du weiß, dat ich nix schweret heben daaf, und ich bin froh, wenn se mir beim Aabeitsamt mein Kreuz genehmigen. Wat meinze, wenn mich einer von denen mitte Katoffeln am schleppen sieht.“ Da grinst die mich ganz kackfrech an und sacht: „Och, Ärrich, geeße eben Schleichwege. Wenne inne Kneipe willz, kennze die ja auch.“ Sacht dat, haut ab und fertich. Und ich steh da wie sonn.....weiß ich auch nich.
Ich denk: Ich lauf doch nich bis nachen Maakt. Ich fahr mitte Straßenbahn. Die zwei Stationen kommt schon kein Kontrollör. Ich ab nache Haltestelle, standse schon da. Ich steich da ein, da war die voll wie sonn Hühnerstall. Jezz saß am Fenster, saß da sonn jungen Bursche. Ich sach: „Hömma, lass mich ma sitzen, wegen mein Kreuz.“ Kuckter mich so an, so rauf und runter und stand dann ganz gemütlich auf und meinte: „Bleib ma ganz isi, Alter.“ Ich sach: „Wat heißt dat denn: Isi Alter?“ Da sacht der so vonne Seite: „Ey, hör ma auf mich zuzuföhnen. Bleib ganz kuul und hau dich hin, du Puddingdampfer.“ Hömma, jezz krichte ich aber richtich Wut. Ich sach: „Wat bis du mich hier am beleidigen, du alten Heini!“ Da dreht der sich so um, is am grinsen und meint: „Pass auf Alter! Hör einfach auf mich zuzutexten, du biss ja voll der Psücho und hass sowwiso keine Peilung.“ Er grinste weiter. Ich sonn bisken zurückgegrinst, und dann hab ich ihn ma rangewuncken. Jau, kam er auch. Ich sach: „Hömma, jezz musse mir ma sagen, wat du überhaupt meintes. Ich hab überhaupt kein Wort verstanden.“ Jaaaa, und dann hat der mir in ein wunderbaret deutsch erklärt, dat diese Sprache eigentlich nur de jungen Leute unternander verstehn würden, und ich als....wie sachte der....ääääh....Stino, dat wär die Abkürzung für stinknormal, also, dat so ein Stino wie ich dat nicht verstehen könnte.
Und dann hat der mir ma so eine ganze Reihe von Beispiele aus diese Sprache gesacht. Und der hätte mich da auch richtich fit drin gemacht, wenn mich plötzlich nich einer auffe Schulter gekloppt hätte. Ich hör nur: „Kann ich mal bitte ihren Fahrausweis sehen?“ Ich dreh mich um. Tatsächlich! Steht da doch sonn Fahrkaatenkontrollör inne Straßenbahn. Aber dat war noch sonn ganz junger Bursche, wat weiß ich, so umme fümmenzwanzich rum. Jezz hab ich aber gleich geschaltet, damit der mich auch versteht. Ich steh auf, kuck den an und sach: „Ey, Alter, bleib ma ganz kuul.“ Jaaa und jezz is dat so: Nich nur, dat ich durch diese Geheimsprache vonne Jugend die Haltestelle am Maakt verpasst hab, ich bin dadurch in Bannof gelandet, drei Haltestellen weiter, ich soll auch noch wegen Schwazzfahrn eine Strafe zahlen und, dat is dat jezz, wegen Beleidigung, sachte der Kontrollör, würde ich da auch noch irgendwie...äääh....ein dran kriegen.
Hömma, ich außen Bannof raus, nach Hause gelaufen und eine Wut in Bauch. Kannze ja vorstellen. Jezz steh ich grade zu Hause inne Küche, und da kam mir dat brühwaam. Ich denk: Ach du Deiwel, du hass ja gaakeine Katoffeln. Hatte ich vergessen, durch de ganze Aufregung. Jezz hatte ich aber auch keine Lust mehr, widder nachen Maakt. Stell ma vor, die hätten mich widder inne Bahn erwischt. Dann lieber Ärger mitte Gundula. Dat kostet wenichtens kein Geld. Weiße wat, ich geh ersma nachen Ede ein lekker Bierken trinken. Oder ma anders gesacht: Wenn meine Schecke nach Hause kommt, is die wegen de Katoffeln voll am abzicken. Und bevor die mich dann voll krass zutextet, geh ich lieber nachen Ede auffen Hof, ne Krawallbrause vorglühn, bis ich keine Peilung mehr hab. – Kumma, dat geht doch. Da hab ich aber demnächst bei mein Neffe Jens verdammt gute Kaaten. Wolln ma kucken. Also, mach gut, ne!
Kommentare
- Katoffel und Äppel
Eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen. E... weiterlesen...
12.07.10 11:08
Von Michael Dettmer



