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Ruhr 2010
Allet Logo (Ruhrzweitausendzehn)
Hömma, jezz kam ich gestern grade ausse Hoftür raus, wollte nachen Ede, da läuft der Ede schon ganz aufgerecht übern Hof. Ich ruf den: „Wat is los Ede, wo willze hin?“ „Jawie, wo will ich hin? Nach dir will ich!“, brüllt der Ede zurück. Jezz stand der schon fast vor mir. Ich sach: „Wat ein Zufall, ich wollte auch grade nach dir.“ Da kuckt der Ede mich so an. „Und? Wat is? Wollze Pülleken Bier bei mir?” „Nee, Ede“, sach ich, „ich wollt wat ganz wichtiget mit dir, wegen die Kulturhauptstadt.“
„Ja jezz leck mich doch inne Täsch“, sacht der Ede da, „genau deswegen wollt ich auch nach dir.“ „Und wat willz du von mir wegen die Kulturhauptstadt?“, frach ich den Ede. „Ärrich“, sacht er, „ich wollt dich wat fragen wegen dieset Ruhrzweitausenzehn.“ „Hömma Ede“, sach ich, „dat is aber jezz wie verhext. Da meinen wir ja datselbe, ne. Du meinz doch diesen Schriftzuch für de Werbung für de Kulturhauptstadt? Dieset RUHR2010.“ „Ja Logo“, sacht der Ede, „genau dadrum geht dat. Dat hab ich dir doch schon inne letzte Woche gesacht, dat ich mir auch wat ausdenk, dat wir auch schön inne Werbung einklinken können für unsere Kulturhauptstadt. Also ich wollte mir dat Dingen schön vorne auf dat Schutzblech von mein Moped kleben. Da wüßte gleich jeder: Dat Moped kommt auße Kulturhauptstadt. Und jezz is dat Moped kaputt.“
„Wat ein Glück, Ede“, sach ich, „denn dat is dat, warum ich nach dir wollte. Lass ma lieber de Finger wech davon, sons hat dich ein gewisser Doktor Fritz ganz schnell am Haken.“ „Wer is dat denn?“, fracht mich da der Ede, „is dat ein Hausaazt?“ Hömma, ich krichte schon widder Wut. Ich sach: „Ede, du weiß auch von nix. Diesen Doktor Fritz is kein richten Doktor. Den nenn die nur so, wegen....äääh.....weiß ich jezz aunich. Wegen de Ehre oder sowat. Ehrendoktor, mehr nich! Jedenfalls gehört den die Firma, die de Kulturhauptstadt am organisiern is. Und da musse aufpassen mit deine Werbung.“
„Wat meinze denn jezz damit, dat ich aufpassen muss?“, fracht der Ede mich. „Ede“, sach ich, „du kannz doch nich einfach mit den Schriftzuch wat machen, du muss vorher auch ma erkundigen, so wie ich. Ich hab da ma im Internetz gekuckt. Da kriss du aber ein richtigen Schreck wegen de Werbung.“ Jezz wurde der Ede ganz rappelich. „Wie...wat...wat is damit...wat schlimmet...sachet...!“, war er am stottern.
Ich sach: „Mach mich hier nich bekloppt mit deine Stotterei. Jezz hörße ma zu, wat ich dir sach. Also: Diesen Doktor Fritz hat extra für diesen Werbungsschriftzuch sowat wie ein eigenet Gesetzbuch geschrieben. Da steht drin, wat du allet nich daafs. Und wenne gegen diese Gesetze am mißbrauchen biss, musse Fümftausend Euros an den Doktor Fritz berappen, auch wenn du gaanix dafür kannz. Dat steht auch allet in den Vertrach, den du mit den machen muss, damit du diesen Schriftzuch Ruhrzweitausendzehn für de Kulturhauptstadt mit werben daafs.“ Der Ede war jezz fix und fertich. „Dat wusste ich doch gaanich.“, sacht er, „Wat steht denn da allet drin, wat ich nich daaf?“ Ich sach: Ede, frach mich nicht wat da allet drinsteht. Da blicks du nicht durch.
Aber wenne dat allet gelesen hass, da geht dir schon die Muffe, wenne dat Wort Ruhrzweitausendzehn überhaupt nur sachs. Stell dir dat ma vor. Du sachs dat irgendwie falsch, schon is die Kacke am dämpfen. Da muss du sowat von aufpassen. An diesen Schriftzuch daafs du zum Beispiel nich ein Fitzel verändern, aunich aus Zufall. Wenne jezz, nur ma angenommen, mit sonn Papierfähnchen rumläufs und oben inne Ecke is so ein Eselohr, bisse schon fällich. Hasse schon missbraucht. Weil, du daafs kein Knick inne Kulturhauptstadt machen!“
„Is dat wirklich so schlimm?“, fracht der Ede mich. Ich sach: „Ich weiset nich, aber wenne de Parragrafen dadrübber am lesen biss, is dat bestimmt noch viel schlimmer.“ Der Ede stand da nur noch wie sonn Häufchen Elend. „Sach ma, so wie du kucks, hasse dir bestimmt schon wat Neuet ausgedacht, als Ersatz für dat Moped?“, frach ich ihn.
„Ach“, sacht der Ede da, „jezz wollte ich, dat mir Meine diesen Schriftzuch auffet Tischört bügelt. Man is doch stolz auffe Kulturhauptstadt.“ Da krichte ich schon widder Wut. Ich sach: „Ede, bis du noch zu retten. Eine Bügelfalte in den Schriftzuch und du bis fällich. Dat kannz du dir als HaazVier gaanich leisten. Wo willze denn Fümftausend Euros Strafe hernehmen, wegen de Bügelfalte?“ „Ich wollte doch nur wat schönet machen, weil die doch immer sagen, de Kulturhauptstadt is wie ne Familie.“
„Jau Ede“, sach ich, „da ham se genau wat richtiget gesacht, wenn du bedenks, dat in unsere Gesellschaft in jede zweite Familie nur noch Knatsch is. Und warum sollte dat in unsere Familie Kulturhauptstadt anders sein?“ Der Ede haute ma widder bedröppelt ab und ich hab mich nur gefracht: Warum lassen se 2010 nich einfach de Kultur sprechen, dann brauchen se doch nich sonn Theater machen, wegen sonn dösigen Schriftzuch. Also, mach gut. ne.
Kommentare
- Katoffel und Äppel
Eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen. E... weiterlesen...
12.07.10 11:08
Von Michael Dettmer



